Andreas W. Ditze

Herr Ditze hat in Gießen am Fachbereich MNI Informatik studiert. Während seiner Studien­zeit war er sehr engagiert und aktiv in der Fachschaft aber auch im AStA der Hochschule tätig. Es wurde nicht einfach alles „hingenommen“, sondern die Dinge wurden hinterfragt und versucht für die Studierenden sinnvolle Lösungen und Wege zu finden.

Parallel zur Diplomarbeit hat Herr Ditze zwar zwei Bewerbungsgespräche geführt aber ein halbes Semester vor Studienende war die Selbständigkeit bereits absehbar. Die vorherige Zeit in der Fachschaft und dem AStA waren „ein Übungsfeld“ und haben dazu beigetragen, die Angst vor der Selbständigkeit abzulegen.

Zu Beginn des Gesprächs kamen wir auf das Thema „Sicherheitsdenken bei der Berufswahl“ und wie ist es mit der Selbständigkeit.

Andreas W. Ditze meint, dass man sich überlegen muss  was gibst du und was kriegst Du bzw. was bekommt man raus. Man muss sehr viel Zeit investieren  und es bleibt zu Beginn keine Zeit für Freizeit.

Nicht nur das Studium, sondern im Konflikt zwischen Studierenden und Professoren war eine gute Schule. Auseinandersetzungen/Konflikte kommen immer.  Da war das Studium eine gute Schule und stärkte auch das  Selbstbewusstsein.

Je mehr man lernt aus Erfolgen, umso mutiger wird man und kann Risiken besser abschätzen.

Mir fiel auf: Auch Einsteiger werden bei uns gut ausgestattet mit dem Arbeitsplatz und Arbeitsmitteln. Aber die Vorstellungen und Forderungen der Studierenden oder Berufseinsteiger überraschen schon.

Eigene Leistung im Verhältnis zu dem, was man fordert wird oft nicht berücksichtigt.

 

INTERVIEW

Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium an der TH Mittelhessen anzutreten?

Informatik war mein Ding. Die Technik lag mir schon während der Schulzeit. Der Berater vom Arbeitsamt hat mir zwar E-Technik empfohlen aber das wollte ich nicht. Da meine Freundin in Gießen Lehramt studieren wollte blieb ich in Gießen statt nach Dresden zu gehen.

Können Sie sich daran erinnern, als Sie das erste Mal an die TH Mittelhessen kamen?

Ich hatte Sorge, dass meine Mathe-Kenntnisse nicht ausreichen und fand es daher super, dass ein Vorkurs Mathematik angeboten wurde. Dort habe ich eine kleine Gruppe „Gleichbesorgter“ kennengelernt, was mir den Start und das Studium erleichtert hat.

In Mathe hatte ich dann Prof. Dr. Kausen bekommen – ihm ging der Ruf voraus, besonders hohe Anforderungen zu haben. Ich bin dann auch prompt beim ersten Mal durchgefallen, was in einer Prüfungsleistung schon sehr ärgerlich war. Das hatte aber durchaus auch etwas Gutes. Wir wussten jetzt, dass die Prüfung nicht durch Auswendiglernen zu schaffen war, sondern die Mathematik verstanden werden musste.

Denke ich an Gießen, denke ich sofort an... Seltersweg – liegt wohl daran, dass ich dort heute noch einkaufe  (Grinsen)
Damals während des Studiums: Eichendorffring

Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Mit einem Prof. hatte ich gewettet, dass man das E-Technik-Praktikum abschaffen kann.    (Bemerkung der Redaktion: Herr Ditze hat gewonnen.)

Was war Ihr Lieblingslokal oder Ihr Lieblingsort in Gießen?               Study affairs

Was hat Sie besonders geprägt: Welcher Dozent/Professor, welches Studienangebot?

Prof. Dr. Kaufmann war in mehrerer Beziehung ein Vorbild. Er lehrte recht anschaulich, wie die Methoden der Informatik über den Sourcecode hinaus genutzt werden können. Außerdem lebte er täglich vor, wie viel ein Einzelner bewegen kann, wenn er ein Ziel vor Augen hat. Ende der 90er gab es eine Zeit, da hatte ich den Eindruck, er würde jeden Monat einen neuen Studiengang aus der Taufe heben.

Prof. Dr. Geise: Nicht nur seine Bloffs und Würgel waren für viele von uns prägend – auf seine Art war er auch ein Rebell. Es gab mal einen Sommer, da haben wir uns in der vorlesungsfreien Zeit an der FH getroffen und überlegt, mal ein gemeinsames Projekt zu machen. Wir bastelten einen CB-Funk<>Internet-Gateway, richtig mit Antenne, Sendeanlage und Router. Der lief so gut, dass wir ihn in einer Besenkammer ganz oben im A-Gebäude „versteckten“. Erst als Jahre später die alte BNC-Verkabelung ausgetauscht wurde, wurde der PC zufällig gefunden und außer Dienst gestellt.

Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Da war die Hürde nicht sehr hoch. Beim Diplom musste ich schon lernen aber ansonsten gings auch so ganz gut.

Das Fachschaftsengagement hat schon vom Studium abgelenkt und viel Zeit beansprucht.

Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

„Du musst nicht studieren, um ein gutes Leben zu führen.“ Das Studium dient der Persönlichkeitsentwicklung und dass man gute Vorbilder (Professoren) hat. Das geht aber auch in einem Unternehmen. Der Vorteil des Studiums gegenüber der Ausbildung ist, dass man raus muss zuhause und in eine andere Stadt ziehen. – Wobei heute ja auch nicht mehr. „Vollkaskomentalität“

Haben Sie ein Lebensmotto und wenn ja verraten Sie uns dieses?

„Lieber unperfekt starten als perfekt warten“

Welchen Ort in Gießen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Wenn ich an das F-Gebäude (heute A21) denke hat das schon so etwas von Heimat. Sicher auch die kompakte Form des Fachbereich mit Laboren, Professoren, Fachschaftsraum und Dekanat alles in einem Gebäude zu dieser Verbundenheit geführt.

Welchen Tipp haben Sie für Studierende oder Studieninteressierte?

Leben ist nicht planbar. Offen sein für Zufälle, die geschehen werden.
Jemandem helfen, auch ohne, dass es für einen selbst Vorteile oder Nutzen bringt.

Wie haben Sie studiert und Ihre Studienzeit erlebt? (Wie war die Wohnraumsituation)

In der Nähe vom Eichendorffring habe ich in einer WG gewohnt. Zusammen mit meiner Freundin und das war für mich wirklich gut.

Gibt es ein Hobby, das Sie im Studium weitergebracht hat oder das sich aufgrund des Studiums entwickelte

Politik. Das ist sicher auch ein Ergebnis des Studiums. Streiten fürs Gemeinwesen ist mir wichtig und daher bin ich in die Lokalpolitik gegangen (parteilos).

Was machen Sie aktuell beruflich?           Geschäftsführender Gesellschafter

Was wünschen Sie sich von Ihrer Hochschule bzw. dem Alumni-Management?

„Ihr macht doch schon ganz viel Gutes“

Z.B. das Corporate Design war wichtig – auch für die Stiftung des Gemeinsinns. Der Alumni-Gedanke ist in Deutschland noch nicht so verbreitet. In Hochschulen wie Yale oder Harvard ist es Ehrensache, nach dem Studium die Verbindung zu halten und die Hochschule zu unterstützen.

Vielleicht sollten sich unsere Absolventen Gedanken machen, was sie zurückgeben können. Zum Beispiel einem Alumni-Verein beitreten … (und mit einem verschmitzten Lächeln: ) Sich für ein Interview zum Kaffee einladen lassen.

Gibt es ein Buch, das Sie empfehlen können?
Lieber einen Film: „Thank you for smoking“

Was sind Ihre nächsten Pläne (Beruflich, Reisen, ..…)

In der jetzigen Lebensphase für die Kinde nicht nur da sein, sondern sie auch begleiten. Das Familiäre muss gut laufen. Das Unternehmen sollte auch noch für die nächste Generation sein. Meinen Kindern möchte ich denselben guten Start ermöglichen wie es meine Eltern für mich getan haben.

 

Anmerkung der Redaktion:

Am Ende des Gesprächs sagte Andreas Ditze „Egoismus bringt nicht weiter. Man sollte immer überlegen, ob und wo man sich engagieren und einbringen kann. Beispiel Sharing Economy. Für Studierende und Absolventen vielleicht wichtig: Letztlich hängt das Lebensglück nicht vom Bruttogehalt ab

Ein wunderbarer Schlusssatz! Vielen Dank für das Gespräch.