Markus Schnell

Markus Schnell hat 2015 seinen Masterabschluss in Mechatronik in Friedberg gemacht. Sein Lebenslauf ist typisch für den eines Fachhochschulstudenten:

  • Realschulabschluss
  • Ausbildung bei der VDO Automotive AG zum Industriemechaniker
  • Fachoberschule an der Johann-Philipp-Reis-Schule in Friedberg
  • Neun Monate Wehrdienst bei der  Bundeswehr mit der Überlegung sich zu verpflichten,  aber die lange Verpflichtungszeit haben zur Bewerbung um einen Dualen Studienplatz geführt.
  • Duales Studium - Ingenieurstudium plus Industriepraxis (IS+I) in Friedberg bei der Mainova AG

    (Vor dem Studienbeginn blieben noch vier Monate Zeit, die er für einen Work and Travel Aufenthalt  in Neuseeland nutzte.“ Das war eine tolle Zeit!“)
  • Nach dem Bachelor-Abschluss wollte Markus Schnell noch ein Masterstudium an­schließen. Da dies vom Arbeitgeber nicht vorgesehen war, entschied man sich im beider­seitigen Einvernehmen zur Auflösung des Vertrages und er schrieb sich zum Masterstudium in Vollzeit ein.

 

INTERVIEW

1. Warum haben Sie sich für ein Studium an der THM entschieden?

Ich war schon immer sehr an Technik interessiert. Bereits mit vier Jahren habe ich die Bohrmaschine meines Vaters „zerlegt“. Solche Dinge haben meinen Vater nie verärgert. Im Gegenteil, er hat den Umgang mit Technik bei uns Kindern immer gefördert.

2. Können Sie sich an die ersten Tage, die erste Zeit an der THM erinnern?

Ja, das war zum Beispiel der Brückenkurs. Der Referent war ein Lehrer der Philipp-Reis-Schule, den ich noch kannte. Da hatte das Neue erst einmal etwas Vertrautes.

Auch meine erste Mathevorlesung bei Dr. Hoy ist mir in Erinnerung geblieben: „Die erste Woche machen wir den Abi-Stoff und danach geht’s richtig los.“ Das hat dann auch gestimmt. Es ging richtig los!  

Es war schwer, aber die Strategie, die mir geholfen hat war, nicht alles auf einmal zu betrachten, sondern (den Stoff) immer Schritt für Schritt anzugehen. Meine eigene Formelsammlung war auch sehr hilfreich. Die Formeln habe ich alle noch - und in sieben Bachelor- und drei Master-Semestern - fallen da schon ein paar an - in einen gelben Ordner geheftet.

3. Was hat Sie besonders geprägt: welcher Dozent/Professor, welches Studienangebot?

Ich habe im  THM Motorsport Team Efficiency mitgearbeitet, das waren sehr lehrreiche Erfahrungen und Erlebnisse. Ganz besonders Veranstaltungen wie z.B. der Shell eco-marathon in Rotterdam.

Und dann noch das Labor für Mechatronik mit Professor Brillowski und seinen tollen Mitarbeitern. Da geht man hin und das ist wie nach Hause kommen. Ich habe da so viel Wissen mitgenommen, und das was ich da im Labor gemacht habe wende ich auch heute in meinem Job an. Das ist toll. Es ist denke ich etwas besonderes, dass ich mich auch jetzt, nach dem Studium mit Mitarbeitern und Professoren bei Fragen, die sich so im Berufsleben auftun, austauschen kann.

4. Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Herr Schnell berichtet von einem sehr humorigen Erlebnis, das auch zeigt, wie sympathisch man miteinander umgeht: Als ich mit einem Anliegen zu Professor  Kern ins Büro kam saßen er und sein Kollege vor dem Fenster und schauten starr hinaus. Etwas verunsichert stellte ich mich daneben aber keiner zeigte eine Regung. Nach gefühlten fünf Minuten fragte ich „Professor Dr. Kern?“ und er sagte nur zu seinem Kollegen „Mist, hier hast du fünf Euro, er will mit mir sprechen.“

5. Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Mit allem! Kaffee in der Bib-Lounge trinken,……

6. Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Das Studium war genau das richtige für mich. Aber wenn ich noch weiterstudieren würde, dann vielleicht Luft- und Raumfahrt!

7. Welchen Tipp haben Sie für Studierende oder Studieninteressierte?

Am Anfang des Studiums einen Überblick verschaffen, dann kleine Pakete „schnüren“, oder in kleinen Schritten vorangehen und es durchziehen.

Für mich war auch die super Lerngruppe, die ich hatte sehr, sehr hilfreich. Das war ein tolles Team, das mich weitergebracht hat. Also schauen, dass man sich passende Lernpartner sucht. Allerdings habe ich auch nach dem Lernen in der Gruppe die Themen zuhause nochmal für mich allein beleuchtet und versucht, über den Tellerrand zu schauen.

8. Gibt es ein Hobby, das Sie im Studium weitergebracht hat oder das sich im Studium entwickelte?

Ich war ja schon vor dem Studium im Sportverein. Im Studium wuchs dann die Bindung zum Sport und zum Verein. Ich wurde Gruppenleiter in den Badminton- und Volleyball Abteilungen. Ich finde Sport ist wichtig, gerade während des Studiums! Man bekommt den Kopf wieder frei und kann danach besser lernen. Immer nur lernen, das klappt nicht.

9. Was ist nach dem Studium anders geworden?

Mein typischer Tagesablauf im Studium war: tagsüber Hochschule – anschließend Lernen.

Heute sieht mein Tag so aus: Arbeiten – Feierabend. „Den Abend kann man feiern.“

10. Was machen Sie aktuell beruflich?

Ich arbeite bei der Firma Continental Automotive GmbH in Karben.

11. Was wünschen Sie sich von Ihrer Hochschule bzw. dem Alumni-Management?

Eigentlich das, was ich persönlich schon mache: die Verbindung halten. Absolventen profitieren von den Studierenden und können ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, die Hochschule profitiert von den Firmenkontakten über die Absolventen, und wenn dies noch mit gemeinsamen Veranstaltungen kombiniert wird, wie z.B. Exkursionen dann ist das doch wunderbar.

12. Was lesen Sie gerade?

In der Jugend habe ich Karl May gelesen und im Moment lese ich da ab und zu wieder drin. Auch wenn es manchmal unrealistisch ist so hat es etwas mit Fantasie zu tun und führt einen zurück.“

13. Was sind Ihre nächsten Pläne (Beruflich, Reisen, ..…)

Fußfassen im Beruf und Unternehmen und dann beruflich weiterentwickeln – wobei die Richtung noch offen ist.

Anmerkung der Redaktion:

Markus Schnell kam trotz Erkältung zum vereinbarten Interviewtermin. Obwohl er die Fragen auch per E- Mail hätte beantworten können ist ihm genauso wie uns, der persönliche Austausch wichtig – weil sich ein Gespräch entwickeln kann und sich noch Neues ergibt.  „Es gibt Menschen, die sind ‚hart an der Tastatur! ‘, aber im wirklichen Leben, im persönlichen Gespräch ganz anders und sehr umgänglich und verständig.“

So stellte sich z. B. im Interview heraus, dass einer der Brüder von Markus Schnell – er hat übrigens neun Geschwister - am THM Campus Gießen Informatik studierte.

Seinen Lebenslauf schilderte er sehr bodenständig und bescheiden. Seine beachtlichen Studienleistungen stellte er nie heraus. Markus Schnell hat für seine herausragenden Studienleistungen und sein ehrenamtliches Engagement den Ludwig-Schunk-Preis verliehen bekommen. Bedenkt man  die hohe Studierendenzahl an der THM ist die Tatsache unter den sechs Preisträgern zu sein es schon wert, besondere Erwähnung zu finden.

Zurückblickend auf seine schulische Laufbahn, war das nicht unbedingt absehbar. Seinen Realschulabschluss hat er „so im Mittelfeld abgeschlossen. Aber mit jedem neuen Ausbildungsschritt wurden die Ziele klarer und wenn man weiß wofür, dann lernt es sich auch leichter.“

Markus Schnell hält heute noch engen Kontakt zur Hochschule,  u.a. indem er Studierende der THM während der Projektphase und bei der Abschlussarbeit betreut. Außerdem fährt er mit Professoren, Studierenden und anderen Absolventen nach Leipzig zur Fachmesse new mobility 2016 und dem VDIK-Kongress „Alternative Antriebe“. Er engagiert sich seit dem ersten Mal sehr bei der Organisation der Exkursion. „Ich freue mich richtig auf diese Fahrt mit ehemaligen Kommilitonen, Professoren und jetzigen Studenten. Und ich hoffe, dass diese Kontakte lange erhalten bleiben, und wir noch mehr solche Dinge zusammen unternehmen können.“

Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch, das noch immer nachwirkt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Für den weiteren Lebensweg zunächst alles Gute – wir sehen uns wieder!